Zwischen Hohe Straße und Hahnentor

An der Nordwestecke des Domes beginnt dieKomödienstrasse (1), so benannt nach dem Theater, das sich früher in dieser Straße befand. Insgesamt folgt sie der Außenseite der römischen Stadtmauer, weshalb die romanische Kirche St. Andreas (vgl. Rundgang 1) in den ersten Quellen auch als „St. Matthäus in fossa“ - im Stadtgraben - erscheint.

Über die Verlängerung der Komödienstraße gelangt man in die Zeughausstraße und damit zum Zeughaus (Kölnisches Stadtmuseum) (2), das im ehemaligen Zeughaus untergebracht ist. Das Zeughaus, ein städtisches Arsenal für Waffen und Rüstungen, wird erstmals erwähnt Mitte des 14. Jahrhunderts. Als Ende des 16. Jahrhunderts ein Neubau fällig ist, wird ein schlichter Backsteinbau niederrheinischer Art errichtet, mit Stufengiebeln und einem achteckigen Treppenturm als Zugang zu den oberen Geschossen. Bereits damals wurden illustre Besuchern gern durch die Waffensammlung geführt. Heute sind im Untergeschoß Stationen der Stadtgeschichte zu sehen; im Obergeschoß werden Alltagsdinge aus verschiedenen bereichen gezeigt, wie Wirtschaft, Verkehr, Handwerk und Industrie, Frömmigkeit und Wissenschaft, Wohnen für arm und reich, etc. Nach Westen schließt sich an den Eingangsbereich die Alte Wache an, die heute für Sonderausstellungen genutzt wird.

Die Zeughausstraße zurück, über die Treppenanlage am Römerbrunnen und die vielbefahrene Straße Burgmauer hinweg, befindet sich an der Ecke Elisen-/Neven DuMontstraße des EL-DE Haus (3). 1935 wurde sein Besitzer, Leopold Dahmen, gezwungen, das noch nicht vollendete Gebäude an die Gestapo zu vermieten. Im Keller wurden zehn kleine Zellen ausgebaut, in denen bis zu 33 Personen eingesperrt waren. Ein Fülle von Wandinschriften, die erst vor einigen Jahren durch das Engagement einer Kölner Bürgerinitiative gesichert wurden, gibt Zeugnis von den erschütternden Schicksalen, die sich hier abgespielt haben. Neben der Gedenkstätte befinden sich im Haus auch Informations- und Ausstellunsgräume zur Geschichte Kölns in Nationalsozialismus.

Die Neven DuMont-Straße weiter hinunter befindet sich Ecke Schwalbengasse die Kirche St. Maria in der Kupfergasse (4), die 1705-15 im barocken Stil in Backstein erbaut wurde. Ihre beiden Westportale schließen umschließen das Loreto-Haus und erst 1802 wurde die Kirche - im Anschluß an die in der Loreto-Kapelle verehrten Marienfigur - der heiligen Maria geweiht. Ihren Beinamen verdankt sie der Kupfergasse, die sich heute jedoch erst jenseits der Neven DuMont-Straße fortsetzt. Diese weiter entlang trifft man auf dieBreite Straße (5), einer der belebtesten Kölner Einkaufsstraßen, der nun nach rechts weiter zu folgen ist.

Hier in der Breite Straße befand sich bis 1998 der Sitz des traditionsreichen Verlagshauses DuMont Schauberg. Weiter der Breite Straße folgend überquert man das Gässchen Auf dem Berlich, wo im 16. Jahrhundert das vom Rat der Stadt konzessionierte Freudenhaus untergebracht war. Weiter gelangt man zu einem Plätzchen, von dem links zunächst die Gertruden, dann die Apostelnstraße abzweigen; rechts geht es in die St. Apern- und in die Albertusstraße; geradeaus geht die Breite in die Ehrenstraße über. In der Apostelnstraße findet der Liebhaber des Besonderen noch einige alte, traditionsreiche Fachgeschäfte wie Filz Gnoss oder Gummi Grün. Rechter Hand geht es nun durch die St. Apernstraße: Hier haben eine ganze Reihe Galerien, Antiquitäten- und Kunsthändler sowie Buchhandlungen ihr Domizil; hier befindet sich auch die Kreishausgalerie – heute ein Galerienzentrum. Am Ende der St. Apern-Straße befindet man sich an der Nordwestecke der römischen Stadt. Hier steht der Eckturm der insgesamt vier Kilometer langen römischen Stadtmauern, der Römerturm (6). Seine Fassade ist von hellen Mosaiken hübsch geschmückt und zeigte den Besuchern der Stadt den Stolz römischer Kultur. Daß er erhalten blieb, verdankt er einem weniger hehren Anlaß: Die Franziskanerinnen des Klarenklosters nutzen den Turm als Latrine. Gleich um die Ecke gelegen ist das Dorint Congress Hotel, das sich während der Karnevalszeit in die Hofburg des Kölner Dreigestirns verwandelt und ansonsten eines der schönsten Kongresshotels in Köln ist.

Über die Friesenstraße hinüber und die Steinfelder Gasse entlang geht es mitten hinein ins Friesenviertel zum Gereonsdriesch. Auf dem Platz steht geschützt von großen Bäumen dieMariensäule (7), die 1855 von Vincenz Statz anläßlich der Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis entworfen wurde.

Nur wenige Schritte weiter steht man vor der Kirche St. Gereon (7). Für Jahrhunderte nahm das Stift, voller Stolz auf seine Adelsherrlichkeit, die erste Stelle direkt nach dem Dom ein. Der Legende nach handelt es sich bei dem in der Umgebung des Baus nachgewiesenen Gräberfeld um die Märtyrer der Thebäischen Legion, die unter Maximian die Verfolgung von Christen verweigert haben und dann selbst den Märtyrertod gestorben sein sollen. Herzstück der Kirche ist das Dekagon, ein Zentralbau, der bereits auf eine spätantike Konstruktion zurückgeht und dessen Gewölbe 1227 geschlossen wurde. Dabei wurden die Mauern des römischen Baus von den neuen Mauern eingefaßt; die tiefen Winkel zwischen den Nischen werden ausgefüllt und an den Ecken zu massigen Pfeilern umgestaltet. So wurde die Stabilität für den neuen, wesentlich höheren Wandaufbau gesichert. Die Rippen der gewaltigen Kuppel laufen in einem Granatapfelmotiv, dem Symbol ewigen Lebens, zusammen. Die obere Fensterreihe wurde nach Entwürfen georg Meistermanns ausgeführt. In der Vorhalle hüten zwei mächtige romanische Löwen den Zugang zum Dekagon, die aber wohl erst später an diese Stelle gesetzt wurden.

Der Straße Gereonshof weiter folgend, kommt man linker Hand an den Bürobauten desGerlingkonzerns (8) vorbei, die inzwischen fast ein Stadtviertel eigener Art bilden. Ausgangspunkt des neoklassizistischen Ensembles war die 1882 von dem Architekten Hermann Pflaume errichtete Villa für den Industriellen Eugen Lange. Die Erweiterungsbauten griffen das Vorbild auf und dessen Architektur wirkte bis weit nach dem Kriege fort – und zwar bis hinein in kleinste Details wie z.B. die Pflasterung des Bodens. Architekt des Hochhauses, Berater und Künstler einer Reihe der schmückenden Skulpturen war der umstrittene Arno Breker, was seinerzeit zu einer Menge Widerspruch und dem Spottnamen „Neue Reichskanzlei“ führte. Inzwischen haben Sehweisen sich wieder gewandelt und Stadtkonservator wie auch

Fotografen entdecken auch hier die Reize einer qualitätvollen Architektur.
Über die von-Werth-Straße hinweg geht es weiter bis zum Kaiser-Wilhelm-Ring und diesen Prachtboulevard dann links hinuter. Seit einigen Jahren nun ist Kölns „schönste Meile“ in einem recht präsentablen Zustand: die Straßenbahnen wurden unterirdisch verlegt, der Verkehr auf der westlichen, stadtauswärtigen Seite in beide Richtungen geführt, so dass man auf der innerstädtischen Seite nun in Ruhe bummeln und flanieren kann – tagsüber ebenso wie nachts. Dem Ring in südlicher Richtung folgend gelangt man zum Rudolfplatz, der wesentlich bestimmt wird durch die hoch aufragende Hahnentorburg (9), so benannt nach einem Nachbarn, Hagano, der mit Hähnen nichts zu tun hatte. Vollendet wurde das westliche Stadttor bereits vor der Mitte des 13. Jahrhunderts. Als im Oktober 1794 die Franzosen in Köln einzogen, übergab der Bürgermeister dem befehlenden General vor diesem Tor die Schlüssel der Stadt. Heutige Hausherrin der Burg ist eine der bedeutendsten Kölner Karnevalsgesellschaften, die Ehrengarde.

Von der Hahentorburg führt die Aachener Straße west- und damit stadtauswärts; links geht es vorbei am traditionsreichen Volkstheater der Familie Millowitsch und nach Unterquerung der Eisenbahnbrücke liegt rechter Hand das Museum für Ostasiatische Kunst (10). Auf dem Rudolfplatz südlich der Burg befindet sich ein Neubau, die Hauptstelle der Sparkasse KölnBonn, mit einem auffälligen und doch leichten und transparenten Rundbau, der die beiden Verwaltungstrakte verbindet.

Im Osten geht es stadteinwärts und Richtung Rhein weiter auf der Hahnenstraße bis zum Neumarkt. Kurz vor dem Platz liegt hier linker Hand die romanische Basilika St. Aposteln (11). Sie ist die dritte der Kölner Kirchen, die einen Dreikonchenchor aufzuweisen hat. Von erhabener Schönheit ist diese Kleeblattanlage, die man vomNeumarkt (12) aus leider nicht ganz frei einsehen kann. In der mittlalterlichen Stadt lag die Kirche außerhalb der alten römischen Stadtmauer, während der Neumarkt – angelegt im 10. Jahrhundert als Entlastung für Heumarkt und Alter Markt – noch innerhalb der alten römischen Stadt plaziert war. Der Neumarkt war planmäßig streng rechteckig angelegt worden und ist seit alters das Zentrum des Kölner Einzelhandels. An der Nordseite von St. Aposteln führen Mittelstraße und Apostelnstraße zu den exklusiveren und teureren Läden, an der Südseite des Neumarktes läd die Schildergasse zu einem Shopping-Bummel ein. Dazwischen gibt es gleich mehrere Passagen, wie z.B. die Neumarkt-Passage und Neumarkt-Galerie direkt am Platz, den Olivandenhof in der Zeppelinstraße und die Kreishausgalerie in der St. Apernstraße. I

n der Neumarkt-Passage befindet sich auch der Eingang zum Käthe Kollwitz-Museum (12), in dessen großzügigen Räumen nun die graphischen und plastischen Arbeiten der Künstlerin ausgestellt werden. Dank der Kreissparkasse Köln, die diese Museumsgründung erfreulich förderte, konnte die Sammlung für Köln erhalten bleiben.

Die Schildergasse wurde benannt nach den Malern der Wappenschilde, die hier ihre Werkstätten hatten und nach den Künstlern der Kölner Malerschule, deren Zunfthaus hier stand. Folgt man der modernen Einkaufsstraße gelangt man zur Antoniterkirche (13), die hier, zwischen Einkaufszentren und lebhaftem Einkaufsgetümmel fast wie fehl am Platze wirkt. Doch so mancher genießt die Ruhe und meditative Stille des Gotteshauses zu einer kleinen Pause. Die Kirche wurde im 14. Jahrhundert von den Antonitern errichtet. Im Laufe der Jahrhunderte wurden allerdings ständig Umbauten und Veränderungen vorgenommen, vor allem im 19. Jahrhundert. 1802 war das Gotteshaus nach der Säkularisation als erste Kirche den Protestanten Kölns für ihre Gottesdienste übergeben worden. Im nördlichen nebenchor ist heute eine Kapelle zur Erinnerung an die Toten der beiden Weltkriege. Hier schwebt Barlachs „Todesengel“ mit dem Antlitz der Käthe Kollwitz wie eine Mahnung der über den Schlachtfeldern schwebenden Klage.

Gegenüber der Antoniterkirche geht es in die Herzogstraße bis üebr die Brückenstraße hinüber. Hier befindet sich an der linken Ecke die Kirche St. Kolumba: halb Ruine, halb Neubau. Einst warSt. Kolumba (14) die reichste Pfarrkirche Kölns, wurde im Krieg jedoch fast vollständig zerstört. Nur die Marienfigur des nordöstlichen Chorpfeilers war wie durch ein Wunder erhalten geblieben und stand inmitten der Trümmer. So erklärt sich der zweite, unter Kölnern sehr viel bekanntere Name der Kirche: Madonna in den Trümmern. Bereits 1950 konnte ein kleiner achtseitiger Zentralraum im Bereich des früheren Mittelschiffs neu geweiht werden, den Gottfried Böhm gestaltet hatte; 1956 folgte die dunkel gehaltene Sakramentskapelle. Ludwig Gies, Jan Thorn Prikker und Georg Meistermann schufen die kunstvollen neuen Fenster. Doch von der großartigen fünfschiffigen Kirche zeugen heute nur noch ein paar Reste der Außenwände. Über den gesamten Grundriß des ehemaligen Gotteshauses soll nach den Entwürfen des Architekten Peter Zumthor das neue Diözesanmuseum entstehen.

Von der Brückenstraße biegt man links in die Ludwigstraße ein und läuft dann auf die ehemalige Minoritenkirche St. Mariä Empfängnis zu. Vermutlich im gleichen Jahr der Grundsteinlegung für den Kölner Dom, 1248, wurde auch mit dem Bau derMinoritenkirche (15) begonnen, der Ende des 13. Jahrhunderts vollendet war. Doch während der Dom in allen Raffinessen der gotischen Architektur schwelgt, ist die Gestaltung der Minotitenkirche eher eine Mischung aus neuer Gotik, franziskanischem Armutsideal und Sparsamkeit sowie zisterziensischer Schlichtheit. Einer der berühmtestehn mittelalterlichen Gelehrten, der Franziskaner Johannes, Duns Scotus liegt hier begraben. Am franziskanischen Studium generale in Köln hat er zwar nur kurze Zeit vor seinem frühen Tod gelehrt, doch gehen bedeutende theologische Lehren auf seine Überlegungen zurück, so z.B. die der Unbefleckten Empfängnis, nach der Maria frei von der Erbsünde geboren wurde. So wundert es nicht, daß das Mariathema sich auch in den kunstvollen Chorfenstern (Helmut Kaldenhoff 1965/66), dem Westfenster (Entwurf von Franz Pauli, 1961) und im kunstvollen Alfelder Altar wiederfindet.

Zusammen mit dem Museum für Angewandte Kunst (15) bildet die Minoritenkirche eines der eindrucksvollsten Bauensembles der Stadt. Vor dem Haupteingang des Museums wurden den beiden „Vätern“ der Kölner Museen Denkmäler gesetzt: Ferdinand Franz Wallraf und Johann Richartz. Der Museumsbau von Rudolf Schwarz und Josef Bernhard von 1957 nimmt gleichermaßen Gotik und Schlichtheit der Minoritenkirche wieder auf, ohne ihr den ihr zukommenden Platz streitig zu machen. Die Sammlungen, für die Wallraf und Richarz sich ihrerzeit engagiert hatten, sind derweil zweimal umgezogen und haben seit Anfang 2001 ein neues und größeren Domizil am Gürzenichgefunden. Dafür ist in das alte Haus das Museum für Angewandte Kunst eingezogen, das 1888 als Kunstgewerbemuseum gegründet wurde. Es zeigt in den oberen Räumen Wohnkultur vom Mittelalter bis zum Jugendstil und in den kleineren Räumen begleitend Kleinkunst, Tafelkultur, Mode und Schmuck.

Direkt gegenüber des Museums befindet sich der große Nachbar WDR, der sich in den letzten 50 Jahren immer weiter ausgebreitet hat mit Archiv-Gebäude, Vier-Scheiben-Haus und WDR-Arkaden (16). Das Archivgebäude überbrückt die viel befahrene Nord-Süd-Fahrt. Wer sie überquert kann an der Ecke breite Straße die jüngste Erweiterung besuchen, die WDR-Arkaden mit Läden, Restaurants und dem gläsernen Studio, wo man Live-Sendung zuschauen kann. Zurück zum Museum für Angewandte Kunst geht es über den Wallraf-Platz wieder Richtung Dom und damit an das Ende dieses Rundgangs.


Nach: Werner Schäfke: Köln – Zwei Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur am Rhein



Komödienstrasse Zeughaus (Kölnisches Stadtmuseum) EL-DE Haus Maria in der Kupfergasse Breite Straße Römerturm St. Gereon Gerlingkonzern Hahnentorburg Museum für Ostasiatische Kunst  Käthe Kollwitz-Museum Antoniterkirche St. Kolumba Museum für Angewandte Kunst WDR-Arkaden

Rundgang