Rundgang in der Kölner Altstadt

Die »moderne Altstadt« läßt sich klar umreißen: Zwischen Dom und St. Maria im Kapitol, bzw. zwischen Hohenzollern und Deutzer Brücke einerseits, vom Rheinufer bis zur Hohe Straße andererseits. Wiederum ausgehend vom Dom und dem Roncalliplatz beginnt der Rundweg beim Römisch-Germanisches Museum (1), das 1974 eröffnet und von Heinz Röcke bewußt als moderner Gegensatz zur detailreichen Dom-Architektur konzipiert wurde. Schmuckstück der Ausstellung und auch von außen gut zu sehen, ist das Dionysos-Mosaik, welches man 1941 bei Bauarbeiten für einen Bunker an dieser Stelle gefunden hatte. Das Museum zeigt Sammlungen zu Frühzeit, Antike und frühem Mittelalter - und bei jedem größeren Bauvorhaben in der Innenstadt könnten die Sammlungen ergänzt werden, denn überall stößt man auf Reste römischer oder frühmittelalterlicher Provenienz.

Weiter geht es zum Nachbarkomplex, dem 1986 eröffneten Ensemble von Museum Ludwig (2) und Philharmonie (2) nach Entwürfen der Architekten Peter Busmann und Godfrid Haberer. Bis 2000 mußte das Museum Ludwig, das seine Existenz den großzügigen Schenkungen des Ehepaares Peter und Irene Ludwig zu verdanken hat, das Gebäude mit dem Wallraf-Richartz Museum (2) teilen. Inzwischen entstand für letzteres ein eigenes Haus und das Museum Ludwig kann endlich seine Kunst des 20. Jahrhunderts sowie seit 2001 eine umfangreiche Picasso-Sammlung auf ausreichendem Platz präsentieren.

Vorbei am Haupteingang der Philharmonie geht es zum Rhein hinunter und in den Rheingarten. Hier trifft man als erstes auf die Rheingartenskulptur von Eduardo Paolozzi. Durch die Altstadtgässchen Am Frankenturm und Mauthgasse gelangt man an die Ostseite der romanischen Kirche Groß St. Martin (3). Der hohe Vierungsturm gehört ebenso zum Stadtpanorama wie die Doppeltürme des Doms. Die zurückhaltende Nüchternheit der Ausstattung der Innenräume gibt dieser Kirche eine ganz eigene Eleganz und Leichtigkeit der Atmosphäre.

Von St. Martin ist man mit wenigen Schritten amAltermarkt (4) mit seinen mittelalterlich anmutenden Häuserfronten wie z.B. des Doppelhauses Zur Brezel und Zum Dorn oder Zum St. Peter. An der Westseute des Altermarktes befindet sich das Kölner Rathaus (5); um zur schönen Renaissancelaube zu kommen, muß man allerdings einmal herumgehen zur Vorderseite. Teile des Hauses wurden nach den Kriegszerstörungen in der Gestalt des 14. Jahrhunderts wiederhergestellt. Zeichen für die erfolgreiche Revolution und neue Verfassung des Verbundbriefes von 1396 ist der stolze Ratsturm. In der südlichen Hälfte des Rathausvorplatzes befindet sich die Mikwe, das rituelle Bad der jüdischen Gemeinde von ca. 1170. Gleich neben dem heutigen Bau des Rathauses schloss sich im Mittelalter das jüdische Ghetto an. Als die Juden 1424 endgültig aus Köln vertrieben wurden, ließ sich übrigens der Rat die ehemalige Synagoge zur Ratkapelle St. Maria in Jerusalem umbauen.

Hinter der Mikwe (5) wird der Platz abgeschlossen vom neuen Wallraf-Richartz-Museum/Sammlung Corboud. In dem Museumskomplex von Oswald Unger haben die Kunstsammlungen vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert eine neue Heimat gefunden - an traditionellem Platz, denn in der kleinen Strasse „In der Höhle“ wohnten im Mittelalter die Maler, so u.a. auch Stefan Lochner. Das Treppenhaus des neuen Museums folgt dem alten Verlauf dieser kleinen Strasse.

An das Museum schließt sich der „Herren Tanzhaus“ an, der Gürzenich (6), das bürgerliche Festhaus aus der spätmittelalterlichen Glanzzeit der Stadt. Das Gebäude gilt als bedeutendster Profanbau des 15. Jahrhunderts im deutschen Reich und wirkt wie ein ins Monumentale gesteigertes gotisches Patrizierhaus. Noch heute finden hier rauschende Feste statt, vor allem während der Karnevalszeit. Aber auch hohe Gäste wie die Teilnehmer des G8- und Weltwirtschaftsgipfels tagten hier im Hause. Sowohl vom Treppenhaus des Gürzenich wie auch aus dem Stiftersaal des Wallraf-Richartz-Museums kann man direkt in die Ruine der KircheAlt St. Alban (7) schauen. Die Kirche war Ende des 17. Jahrhunderts mit gotisierenden Stern- und Netzgewölben zu einer dreischiffigen Hallenkirche ausgebaut worden. Im Krieg zerstört, entschied man sich, die Ruine als Mahnmal bestehen zu belassen. Die „Trauernden Eltern“ von Käthe Kollwitz erinnern nun im Innenhof an die Schrecken jedes Krieges.

Über die Straße „Kleine Sandkaul“ geht es weiter Richtung Süden und wird die Cäcilienstraße überquert, welche die Stadt als Ost-West-Achse durchschneidet. Auf der anderen Seite sieht man schon die die gewaltige romanische Kirche St. Maria im Kapitol (8). Der Name erinnert nicht von ungefähr an das alte Rom: Wurde die Kirche doch errichtet auf den Resten des alten römischen Tempels der kapitolinischen Götter-Trias Jupiter, Minerva und Juno. Berühmt ist St. Maria im Kapitol für die großartige Dreikonchenanlage des Chores, die als früher Höhepunkt der romanischen Architektur gilt. Zu den ganz besonderen Schätzen der Kirche gehören die Holztüren, die um 1060 entstanden sein dürften und heute geschützt im Westen des südlichen Seitenflügels zu bewundern sind. In plastischer Arbeit sind hier die geheimnisse des Glaubens dargestellt von der Menschwerdung bis zum Kreuzestod und der Himmelfahrt Christi. Gegenüber der Vorhalle der Kirche befindet sich der schlichte Bau des Äbtissinenhauses aus der Mitte des 18. Jahrunderts. Die Kasinostraße nach Süden hinunter gelangt man zum Marienplatz und ein paar Schritte weiter durch das schlanke gotische Dreikönigenpförtchen auf einen Lichthof vor die weitgeschwungenen Apsiden des Kleeblattchores. Eine Anbetungsgruppe oberhalb des Durchgang dieser kleinen Pforte erinnert an das Ereignis, das diesem kleinen Tor den Namen gab: die Reliquien der heiligen drei Könige sollen am 23. Juli 1164 durch diese kleine Pforte in Köln eingezogen sein.

Die Treppen hinunter gelangt man in die Plektrudisgasse. Über die Straße „Am Malzbüchel“ hinweg befindet sich schräg gegenüber das traditionsreiche Brauhaus „Zur Malmühle“. Über die Straße hinweg geht es zur Rheingasse, wo nach wenigen Metern das schönste und aufwendigste der romanischen Patrizierhäuser auf deutschem Boden, das Overstolzenhaus (9), zu bewundern ist. Die reich verzierten Fenster waren ursprünglich ohne Glas und ließen viel Licht in den offenen Festsaal. Heute ist hier die Medienhochschule untergebracht. Nun geht es ein paar Schritte zurück und in die nächste parallele Seitenstraße, den Filzengraben: Hier befindet sich mit der Trinitatiskirche (10) aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ein wirkungsvoller Kontrast zur romanischen und gotischen Architektur der Domstadt: Friedrich August Stüler hat als zweite protestantische Kirche Kölns eine Emporenbasilika im Geschmack des Berliner Spätklassizismus errichtet.

Zurück zum Rhein und ein paar Schritte nach Süden steht man vor St. Maria in Lyskirchen (11), der kleinsten der romanischen Kirchen Kölns, die immer Pfarrkirche gewesen ist. Im frühen Mittelalter wird die kleine Kirche als Kapelle eines Herrn Lysolf begonnen und erstmals 948 erwähnt. Sie entwickelt sich schnell zur Pfarrkirche eines Bezirkes, in dem die Patrizierfamilien Lyskirchen und Overstolz wohnten, also einige der reichen und einflussreichen Bürger der Stadt, die für die standesgemäße Ausschmückung „ihrer“ Kirche sorgten. Noch heute von einmaligem kunsthistorischem Wert sind die Wand- und Gewölbemalereien aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Über dem Portal wurde mit der Ausschmückung begonnen: die Anbetung der heiligen drei Könige, ein um 1220 hochaktuelles Thema in der Domstadt, denn mit den Reliquien entwickelte Köln sich zu einer der wichtigsten Pilgerstädte Europas. Beim Abschied lohnt sich noch ein Blick von außen auf das romanische Westportal, das als Spitzenleistung der Kölner Bildhauerkunst dieser Zeit gilt.

Durch die große Witschgasse und über die Rheinuferstraße hinüber steht man dann direkt am großen Fluss und amMalakoffturm (13), einem Überbleibsel der preußischen Befestigungsanlage für den Rheinauhafen von 1855. Der Rheinauhafen nutzt den natürlichen Schutz einer dem Ufer vorgelagerten Insel. EIne hydraulisch zu bewegende Drehbrücke führte hinüber zum Hafenzollamt. Heute befindet sich dort das Schokoladenmuseum (12), in dem man auf süße Spurensuche gehen kann: von der Anpflanzung der Kakaobohne bis zur Verpackung der Pralinen wird hier der Entstehungsprozeß der Schokolade vorgeführt. Gleich nebenan befindet sich das Sport- und Olympiamuseum, auf dessen Dach ein luftiger Sportplatz eingerichtet wurde.

Am Rheinufer entlang kann man nun zurück Richtung Dom spazieren, vorbei am Hotel Maritim, unter der Hohenzollern Brücke hinweg und schon liegt linker Hand die Silhouette der Kölner Altstadt. Mitten durch die spitzgieblige Häuserfront führt die Salzgasse stadteinwärts zum Heumarkt. Vor Erreichen des großen Platzes geht es links in die kleine Tipsgasse, die auf den Eisenmarkt führt. Hier ist die Adresse des berühmten„Hänneschens“ (14), des traditionsreichen Kölner Stockpuppen-Theaters. Auf einer Bank inmitten des Platzes hat einer der beliebtesten Kölner Ehrenbürger Platz genommen: Willy Millowitsch.

Über die Salzgasse geht es nun aber bis zumHeumarkt (15), einem der wichtigsten historischen Plätze der Stadt, Mittelpunkt der lebendigen Metropole, Marktplatz und Umschlagplatz für die am Ufer gelöschten Güter. Hier dominiert an der südlichen Seite das Denkmal Wilhelms III. Vom Heumarkt über denAltermarkt (4) geht es weiter in nördlicher Richtung zum Dom. Kurz vor dem Roncalliplatz geht es links die Straße „Am Hof“ hinauf und man steht vor demHeinzelmännchenbrunnen (16), der 1899 zum 100. Geburtstag des Dichters August Kopisch von Edmund und Heinrich Renard geschaffen wurde. Er erinnert an die Ballade, nach der kleine Zwerge die schwere Arbeit für die Kölner über Nacht erledigten, bis die Neugier der Schneidersfrau sie vertrieb und die Kölner wieder selbst arbeiten mußten:
„Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!“


Nach: Werner Schäfke: Köln – Zwei Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur am Rhein



Römisch-Germanisches Museum Museum Ludwig/Philharmonie Groß St. Martin Altermarkt Rathaus Gürzenich Alt St. Alban St. Maria im Kapitol Overstolzenhaus Trinitatiskirche St. Maria in Lyskirchen Schokoladenmuseum Malakoffturm Hänneschen-Theather Heumarkt Heinzelmännchenbrunnen

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