Rundgang: Vom Griechenmarkt zum Volksgarten

Der Rundgang beginnt in einem der ältesten kölschen Quartiere, dem Griechenmarktviertel. Seinen Namen erhielt der Stadtteil möglicherweise von den vielen griechischen Handwerkern, die sich im 10. Jahrhundert hier angesiedelt haben soll, als die byzantinische Prinzessin Theophanu nach Köln kam. Früher floß hier quer der Duffesbach, der heute unterirdisch in den Rhein geleitet wird. Die Straßennamen geben noch heute Auskunft über die Handwerke, die hier entlang des Baches ausgeübt wurden: die Rotgerber (Rotgerberbach), Blaufärber (Blaubach), Filzmacher (Filzengraben) und Gerber (Perlengraben, von Pellen = Häute). Eines der herausragendsten Gebäude ist derWasserturm (1), der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrunderts errichtet wurde. Mit seinem Bau erhielt Köln erstmals seit der Römerzeit wieder eine zentrale Wasserversorgung. Ende der 80er Jahre wurde der Turm umgebaut zu einem Luxushotel, dessen Inneneinrichtung die französische Stardesignerin Andrée Putmann entwarf. Bei schönem Wetter kann man auf der Dachterrasse einen herrlichen Blick über Köln genießen. Die alte römische Stadtmauer ist zugleich Abschluß der Gartenterrasse des Hotels.

Eine Fußgängerbrücke führt über den Rotgerberbach zu der romanischen Kirche St. Pantaleon (2), deren Grünanlage eine Oase inmitten des Großstadtlärms ist. Mitte des 10. Jahrhunderts gründete Erzbischof bruno hier ein Benediktinerkloster, das er auch zu seiner letzten Ruhestätte bestimmte. Anstelle der älteren, kleinen St. Pantaleons-Kirche wurde der neue, prächtige Bau errichtet. Beeindruckend ist vor allem die Dreiturmanlage des Westwerkes: ein mächtiger Vierungsturm flankiert von zwei schlanken Treppentürmen. Auch die byzantinische Prinzessin Theophanu, Gemahlin Kaiser Otto II., wählte St. Pantaleon zu ihrer Lieblingskirche und Grablege. Ihr moderner weißer Marmorsarkophag steht heute im südlichen Querarm. Mitte des 12. Jahrhunderts wurde die Saalkirche mit kreuzgratgewölbten Seitenschiffen zur Pfeilerbasilika erweitert. In der Preußenzeit wurde sie als evangelische Garnisonskirche genutzt und auf dem mächtigen Vierungsturm installierten die Preusen 1833 die Station Nr. 51 des optischen Telegraphen der Strecke Berlin – Köln – Koblenz. Zu den sehenswerten Ausstattungsstücken der Kirche gehören insbesondere der spätgotische Lettner vom Anfang des 16. Jahrhunderts und der barocke Orgelprospekt von 1652. Sonntags finden hier häufig sehr schöne Orgelkonzerte statt.

Am Pantaleonswall entlang geht es weiter in die Straße Vor den Siebenburgen. Der Name erinnert daran, daß hier im Mittelalter sieben Gutshöfe lagen. An der Ecke Schnurgasse befindet sich die Klosterkirche der Karmeliterinnen,St. Maria vom Frieden (3), deren barocke Fassade in zartem Gelb leuchtet. Die Kirche konnte nach fast 50jähriger Bauzeit 1692 geweiht werden, doch die Fassade wurde erst 1716 vollendet. Die Philosophin Edith Stein war von 1933-38 Mitglied des Kölner Karmel; 1952 wurde sie wegen ihrer jüdischen Abstammung in Auschwitz ermordet.

In der südlichen Parallelstraße, dem Kartäuserwall, befindet sich das längste intakte Stück der mittelalterlichen Stadtmauer (4). Heute sind wir sehr froh darüber, daß die Preußen sich beim Abriß der Stadtmauer einschalteten und den Stadtvätern auferlegten, einen Teil der Festungsanlagen zu erhalten. So residiert heute im nördlichen Wehrturm des Teilstücks die Prinzengarde, im südlichen , dem Sachsenturm, die Blauen Funken – beide Traditionschorps im Kölner Karneval. An der Außenseite erinnert ein relief, das älteste Profandenkmal Deutschlands, an die Schlacht an der Ulrepforte (5) von 1268, in der das der Stadt verwiesene Patriziergeschlecht der Weisen sich mit dem Erzbischof Engelbert verbündete und durch ein verräterischerweise in der Mauer gegrabenes Loch einen Angriff unternehmen wollte. Aber „der Verrat war verraten worden“ und die Kölner Bürger konnten wieder einmal ihre Freiheit erfolgreich verteidigen. Bereits 100 Jahre nach dem Vorfall ließ der Rat der Stadt diesen denkwürdigen Vorfall im Relief festhalten. Auf der anderen Seite der Ulrichgasse steht man vor der Ulrepforte, einem weiteren Doppelturmtor aus dem 13. Jahrhunder, das aber bereits kurz nach 1400 zugemauert und zur Mühle umfunktioniert wurde. Der Name geht auf die Töpfer zurück (Uler, Euler, Auler), die ihre Gewerbe wegen der hohen Brandgefahr am Rande der Stadt ausübten. Heute hat sich auch hier einer der Kölner Karnevalsvereine einquartiert, und zwar der vielleicht kölscheste: die Roten Funken.

Hinter der Ulrepforte liegt, wie Straßennamen heute noch deutlich machen (Kartäuserwall, -hof und -gasse) das Gebiet derKölner Kartause (5), das ab 1334 am Rande der mittelalterlichen Stadt entstand, in der Geburtsstadt des Ordensgründers, des Heiligen Bruno.

Wenn man von der Ulrichgasse aus den Sachsenring überquert, gelangt man nach wenigen Schritten Ecke Lothringer-/Vorgebirgstraße zur neogotischenPauluskirche (6). Ihr Architekt war Stephan Mattar, der auf neogotischer Grundlage auch ein wenig den Jugendstil als Geschmack der Zeit durchschimmern läßt. Geweiht wurde die Kirche dem Namenspatron des Kölner Erzbischofs des Kulturkampfes, Dr. Paulus Melchers.

Durch die Kleingedankstraße – vorbei am Theater Der Keller – führt der Weg direkt in den Volksgarten (7), eine große Grünanlage inmitten der Kölner Südstadt, entworfen Ende des 19. Jahrhunderts von Adolf Kowallek. Im Winter mag man hier einen ruhigen Spaziergang im Grünen machen, im Sommer dagegen ist hier „der Bär los“. Groß und klein strömt hier zusammen zu Picknick, Musik, Kleinkunst, zum „Köln Sommer Festival“ und natürlich in den Biergarten. Im Gewächshaus, der Orangerie, finden Theater- und Konzertveranstaltungen statt und auch die Kölner Hunnenhorde kommt hier zusammen. Nur wenige Schritte weiter befindet man sich mitten im Vergnügungsviertel der Kölner Südstadt rund um den Chlodwigplatz.

Der Weg dorthin führt durch die Rolandstraße, wo sich ein Blick auf das StädtischeWasser- und Elektrizitätswerk (8) lohnt: Eine imposante Gründerzeitfassade läßt auf alles mögliche schließen, aber sicher nicht auf eine so profane Nutzung. Der Bau entstand 1883 bis 1909 nach den Plänen des Ingenieurs Wachendorf und Architekten Theodor Heinrich Deutz, die romanische und gotische Stilelemente bei der Gestaltung verarbeiteten. Damals erfolgte ein großer Teil der innerstädtischen Trinkwasserversorung von hier aus.


Rundwege nach Arens / Bongartz / Henseler, DuMont RTB Köln


Wasserturm St. Pantaleon St. Maria vom Frieden mittelalterlichen Stadtmauer Ulrepforte Pauluskirche Volksgarten Wasser- und Elektrizitätswerk

lageplan