Rundgang: Im Kölner Norden

Direkt nördlich der Kölner Altstadt, hinter der Hohenzollernbrücke, bestimmt das blaue Musicalzelt, das wie eine überdimensionale Raupe wirkt, das Panorama. Der Musical Dome (1)war äußerst umstritten, als die Show-Produzenten ihn 1996 an dieser Stelle errichten ließen. Inzwischen hat man sich an den blauen Farbtupfer im Kölner Rheinpanorama gewöhnt und von nah und fern pilgern begeisterte Musikfreunde zu „Saturday Night Fever“. Wenn man das Konrad-Adenauer-Ufer hinunterschlendert und dann links in die „Macchabäer Straße” einbiegt, gelangt man in den Kölner Norden, einem Viertel, das im Mittelalter mit ausgedehnten Gutshöfen und Klöstern nur dünn besiedelt war. Im Industriezeitalter entwickelte es sich zu einem Handwerker- und Arbeiterviertel; hier stand auch die erste Werkstatt des Motorenerfinders Otto. Mitte des 17. Jahrhunderts kamen die Ursulinen nach Köln und gründeten hier ein Kloster. Ihre KircheSt. Corpus Christi (2), erbaut von Matteo Alberti 1709 bis 1712, besticht durch die helle, gelbe, barocke Doppelturmfassade. Zum Kloster gehört eines der traditionsreichsten Mädchengymnasien Kölns.

Über die Straße „Unter Krahnenbäumen“ geht es weiter Richtung Osten, vorbei an der Staatlichen Musikhochschule (3), die 1976 an dieser Stelle fertiggestellt wurde und zu einer neuerlichen Belebung des Viertels beitragen konnte – vor allem durch die vielen öffentlichen Konzerte, die hier stattfinden. Ist das Gebäude auch eigentlich ein trister Betonkoloß, so wird es doch durch rote Sichtblenden und Begrünungen aufgelockert.

Richtung Rhein gelangt man zur jüngsten der romanischen Kirchen,St. Kunibert (4). Der Kölner Bischof Kunibert ließ bereits im 7. Jahrhundert eine Kirche errichten, in der er 663 bestattet wurde. Anfang des 13. Jahrhunderts entstand dann der heutige, dreischiffige Bau, der 1247, ein Jahr vor er Grundsteinlegung des Kölner Doms, geweiht wurde. Hier steht die Romanik schon unter dem Einfluß der Gotik, die sich derweil in Europa ausbreitete. So zeichnet sich St. Kunibert durch hohe, lichte Gewölbe und Spitzbögen aus. Der Fensterzyklus im Obergeschoß des Chores ist dagegen typisch romanisch und einer der bedeutendsten in Deutschland. Augenfällig ist ebenfalls die Verkündigungsgruppe an den westlichen Vierungspfeilern von 1439. Im Westquerhaus werden – gut gesichert – die kostbaren Reliquien präsentiert.

Über das Konrad-Adenauer-Ufer geht es am Rhein entlang Richtung Norden. Linker Hand kommt man hier an den Überresten der alten Kunibertstorburg vorbei, von der nur noch ein Turm erhalten ist, der sogenannteWeckschnapp (5) aus dem 14. Jahrhundert. Der Name ist der Legende nach einem anderen mittelalterlichen Turm entlehnt, der in den Rhein hineingebaut war und in dem die Gefangenen des Fehmegerichtes untergebracht waren: entweder sie verhungerten oder sie sprangen nach oben, wo ein kleines Brot – ein Weck – von der Decke baumelte. Doch dann öffnete sich automatisch eine Falltür und sie stürzten in einen mit Messern gespickten Schacht. Die blutigen Reste wurde vom Rhein „entsorgt“.

1924 errichtete der Architekt Wilhelm Riphahn als Abschluß des Ringboulevards am Rhein die Bastei (6)auf den Grundmauern eines preußischen Befestigungsturmes. Das Panoramarestaurant besteht aus einer weit überragenden Stahlkonstruktion und ist eines der seltenen expressionistischen Architekturzeugnisse Kölns. Heute wird das Haus von der Messegesellschaft für geschlossene Veranstaltungen genutzt.
Durch das Villenviertel der Sedan- und Belfortstraße, wo heute viele Versicherungen angesiedelt sind, gelangt man zum Oberlandesgericht am Reichensperger Platz. Von Kriegszerstörungen weitgehend verschont, liegt mit den umliegenden Straßen ein fast intaktes Gründerzeitviertel vor. Das Gebäude desOberlandesgerichtes (7) wurde im neobarocken Stil Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Imposant ist das großartige Treppenhaus, in dem häufig Konzerte und Veranstaltungen stattfinden.

Durch Hülchrather- und Blumenthalstraße gelangt man zu der neogotischen KircheSt. Agnes (8), die nach dem Dom die flächenmäßig zweitgrößte Kirche Kölns ist. Peter Joseph Roeckerath stiftete das Geld für den Bau des Gotteshauses, stellte aber die Bedingung, daß es der Namenspatronin seiner Frau geweiht werden müsse, die als Patin für die Bezeichnung des ganzen Viertels steht. Um die Jahrhundertwende gebaut, wurde die Kirche nicht in der klassischen Ost-West-Richtung angelegt, sondern ihr Portal zeigt nach Süden, in Richtung auf die Ringe.

Wenn man seinen Weg nun über die Neusser Straße in diese Richtung fortsetzt, gelangt man zunächst zum wenig einladenden Ebertplatz, der verkehrsumtost ist und tiefer gelegt wurde, gleich dahinter kommt man zum viel frequentierten Eigelstein, der mit derEigelsteintorburg (9) beginnt. Das trutzige Doppelturmtor wurde Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet. Neben dem Durchgang befindet sich das Bild des „Kölschen Boor“, von Christian Mohr 1885 geschaffen, und Zeichen für städtische Freiheit der Kölner Bürger, von denen gerade im Mittelalter viele Bauern waren, die ihre Höfe innerhalb der Stadtmauern bewirtschafteten.

Den Eigelstein hinunter gelangt man rechts hinter der Bahnlinie zu St. Ursula (10), eine der Kölner Stadtpatroninen geweihte romanische Kirche. Die britische Königstochter Ursula wurde zusammen mit ihren elf(tausend) Jungfrauen von den Hunnen, die Köln belagerten, vor den Toren der Stadt hingerichtet. Das Märtyrium bewegte die himmlischen Mächte, das Hunnenheer in die Flucht zu schlagen und so die Stadt Köln vor Einnahme und Plünderung bewahrten. Viele Kochenfunde aus einem Gräberfeld im Gebiet der Kirche schienen auch im Mittelalter die Legende zu bestätigen und trugen dazu bei, Köln zu einer wichtigen Pilgerstadt zu erheben. So entsteht Mitte des 12. Jahrhunderts die erste Emporenbasilika des Rheinlandes, der im 13. Jahrhundert ein gotischer Chor angefügt wird, dessen 11 Fenster die Junffrauen symbolisieren, die sich auch in den elf Flammen des Kölner Stadtwappens wiederfinden. Nicht versäumen sollte man einen Besuch in der „Goldenen Kammer“ auf der Südseite der Vorhalle: 120 Reliquienbüsten aus dem 13. bis 17. Jahrhundert mit dem berühmten glückseligen „Kölner Lächeln“ und ca. 700 in bestickten Samt gehüllte Schädel bilden den frommen Schatz des Gotteshauses.

Von St. Ursula geht es weiter Richtung Klingelpütz. Wo sich heute eine hübsche Grünanlage befindet, stand einstmals Kölns Gefängnis, so benannt nach einem Brunnen (Pütz), der einem gewissen Clibgelmann gehört hatte. Auf der anderen Seite des kleinen Parks trifft man wieder auf ein erhaltenes Stück der mittelalterlichen Stadtmauer und denGereonsmühlenturm (11). Das Mauerstück wird teilweise von einem Architekten als Wohnung genutzt – ein einmaliges Zuhause mitten in der Stadt. Über den Hansaring gelangt man zum 1898/99 errichtetenHansa-Gymnasium (12) im neogotischen Stil.

Direkt gegenüber auf der anderen Ringseite steht das Hansa-Hochhaus (13), das nach seiner Fertigstellung 1925 das höchste Haus Europas war. Heute gehört es zum Domizil des Elektronik-, Hifi- und Musikfachgeschäftes Saturn. Der Maybachstraße nun in Richtung Südwesten folgend gelangt man zum Mediapark, der im Laufe der 90er Jahre auf dem ca. 200.000 qm großen Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs errichtet wurde. Ein innovative hochmodernes Architektur-Ensemble soll den Anspruch der Medienstadt Köln hier auch städtebaulich untermauern. Neben dem Multiplex-Kino Cinedom gibt es mehrere Gebäude und einen gläsernen Kölnturm von 148m Höhe, die alle um einen Teich mit Grünanlage gruppiert sind. Inzwischen wird der Komplex seinem Namen gerecht, denn Viva, WDR, Radio Köln und Onyx senden von hier; Agfa und EMI Elektrola haben Büros hier; das Kommunikations- und Medienzetrum KOMED und die Medienbibliothek der Sparkasse KölnBonn sind hier zu Hause.Kölner Filmhaus (14),Mediapark (15)


Rundwege nach Arens / Bongartz / Henseler, DuMont RTB Köln


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