Rundgang: Entlang der nördlichen Römermauer

Das heutige Bankenviertel Kölns westlich des Bahnhofs, war zuvor 600 Jahre lang (1224 bis 1802) das Viertel, in dem der Dominikanerorden das Leben und Treiben bestimmte. 1248, im Jahr des Dombaubeginns, gründeten sie ihr Studium Generale Teutonicum und hoben so das akademische Leben Kölns aus der Taufe. Bedeutende Kirchenphilosophen wie Albertus Magnus, Thomas von Aquin und Meister Eckehart lernten und lehrten hier. Anfang des 17. Jahrhunderts ließen die Jesuiten sich in unmittelbarer Nachbarschaft nieder und erbauten, mit Unterstützung des Hauses Wittelbach, die Kirche St. Maria Himmelfahrt (1), in der heutigen Marzellenstraße. Elemente vorreformatorischer Bauformen wie Romanik und Gotik mischen sich hier mit dem neuen Stil des Barocks. Im Zeitalter der Glaubensauseinandersetzung und Gegenreformation bezog Köln hier eine eindeutig katholische Position. Die barocke Innenausstattung entstand unter der Ägide des schwäbischen Bildhauers Jeremias Geisselbrunn. 100 Jahre später wurde die Kirche als Lazarett zweckentfremdet und in der Franzosenzeit zu einem „Tempel der Vernunft“ unbenannt. 1803 jedoch wurde das inzwischen ruinöse Gotteshaus durch die Initiative von Privatleuten vor dem Abbruch gerettet und wieder als Pfarrkirche genutzt. Erst in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Rekonstruktion von Innen- und Außenbau durch den Kriegsschäden vollendet. Nachbar der Kirche ist im Norden das Erzbischöfliche Generalvikariat, ehemals Jesuitenkolleg und Internat für die Schüler der „bursa tricoronata“. Gedenktafeln weisen auf berühmte Lehrer des späteren Marzellengymnasiums hin: den Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld, der 1631 anonym eine flammende Schrift gegen den Hexenwahn veröffentlichte, die „Cautio Criminalis“, und Georg Simon Ohm, der 1826 das nach ihm benannte Gesetz der elektrischen Ströme entdeckte.

In der Straße „An den Dominikanern” führt gleich neben dem Gebäude der Deutschen Bank eine schmale Gasse zur Kirche St. Andreas (2).Ca. 1200 begannen die Arbeiten an der dreischiffigen romanischen Kirche, die jedoch im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und verändet wurde. So wurde ab 1414 der romanische Langchor durch einen gotischen Chor ersetzt, die Querhäuser im Stil des 15. Jahrhunderts umgebaut und Seitenkapellen hinzugefügt. Im südlichen Querschiff ist der kostbare gotische Macchabäerschrein zu bewundern; im Hochchor – allerdings nur aus gebührender Entfernung – das reich geschnitzte gotische Chorgestühl und der Apostelschrein mit einer Armreliquie des Heiligen Andreas. Wiederentdeckt wurde nach dem Krieg die Krypta, die seit 1954 als Grabkapelle für Albertus Magnus, den großen mittelalterlichen Gelehrten, dient.

Die Komödienstraße folgt südlich von St. Andreas der römischen Stadtmauer. Ein den Bürgersteig verengender Mauerrest wird im Volksmund gern der „Sarg der Agrippina“ (der Stadtgründerin) genannt. Auf der Verkehrsinsel Ecke Tunisstraße wurde das Fundament desLysolphturms (3) freigelegt, so benannt nach einem Anwohner im 13. Jahrhundert.
Die „Zeughausstraße” hinunter kommt man amRömerbrunnen (4) vorbei, wo über einem halbrunden römischen Turmfragment auf einem Doppelpfeiler die kapitolinische Wölfin wacht.

Und gleich daneben befindet sich dasZeughaus (5), das in der Zeit 1594 bis 1606 auf römischen Fundemanten als städtische Waffenkammer errichetet wurde. Den Backsteinbau mit Stufengiebeln und achteckigem Treppenturm schmückt ein aufwendiges Renaissance-Portal mit Stadtwappen. Die Fensterläden sind heute in den Stadtfarben Rot und Weiß lakiert und weisen darauf hin, daß das Kölnische Stadtmuseum seine Sammlungen hier präsentiert. Sonderausstellungen werden im Anbau des preußischen Wachgebäudes gezeigt, das 1840 im Stil von Florentiner Renaissancepalästen erbaut wurde. Auf dem Rathausturm thront das goldene Flügelauto des Aktionskünstlers HA Schult, das dem langjährigen Regierungspräsidenten Antwerpes immer ein Dorn im Auge war. Der Komplex desRegierungspräsidiums (6), aus dessen Fenster er den „goldenen Vogel“ immer vor Augen hatte, befindet sich gleich gegenüber im Karree „Zeughaus-” und „Mohenstraße”. Hier steht auch der Weinstock des ehemaligen Regierungspräsidenten, der einen guten „Klein Kölnhausener Zuckerberg“ keltert. Jährlich können durch den Verkauf des edlen Tropfens einige 1000 Euro für wohltätige Zwecke gespendet werden. Der Weinbau ist eine alte Tradition, denn bis in 19. Jahrhundert nahmen Weingärten mehr als ein Drittel der inneren Stadtfläche ein und Wein mußte zu Zeiten das miserable, verseuchte Trinkwasser ersetzen.

Weiter geht es über die Straße „Burgmauer“, in der der alte Römerturm (7) von ca. 50 n. Chr. die Nordwestecke der alten römischen Stadt kennzeichnet. Der untere Teil ist mit aufwendigen Mosaiken geschmückt. Dem Abriß entging der Turm, weil in ihm die Latrine des benachbarten Klarissenklosters untergebracht war. Der obere Zinnenkranz wurde um 1900 ergänzt. Der „St. Apernstraße” folgend, die den Verlauf der Römermauer Richtung Süden nachzeichnet, durchquert man dieKreishausgalerie (8), in der mehrere Kunsthandlungen und Galerien ihr Domizil haben, und gelangt dann, zur „Albertusstraße” und dann zur „Friesenstraße”. Ein MUSS ist hier natürlich das allen Neuerungen und Modernisierung standhaltendeBrauhaus Päffgen (9). Hier gibt es nach wie vor gutes Kölsch und leckere Kölsche Spezialitäten. In den Sartory-Sälen tobt in der fünften Jahreszeit Prinz Karneval. War das Friesenviertel einst eines der kölschesten Quartiere der Stadt, so ist es seit den Umbaumaßnahmen und Sanierungen zu einem innerstädtischen Edelviertel avanciert. Hinter den restaurierten Fassaden der Gründerzeithäuser verbergen sich teure Wohnungen, doch trotz aller neuen Eleganz, herrscht am hier Abend nach wie vor das „wilde Leben“ in Kneipen, Restaurants, Bars und Discos.

Quer durch einen Neubaukomplex gelangt man von der „Friesenstraße” zum „Klapperhof”. Im grünen Innenhof begegnet man einem weiteren Zeugnis römische Vergangenheit: der Grabstelle des Legionärs Iovincatus. Im Karree „Klapperhof”, „Spiesergasse” und „Gereonshof” trifft man auf einen architektonischen Fremdkörper des Friesenviertels: DieGerlingbauten (10), vor etwa 50 Jahren errichtet, strahlen eine Monumentalität aus, die an das Dritte Reich erinnert und ihnen den Spitznamen „Neue Reichskanzlei“ eintrug. Die schmückenden Skulpturen stammen von Arno Breker. Wenige Meter neben dem Gerlinghochhaus führt eine schmale Gasse zum Kirchenvorplatz von St. Gereon. Hier steht man direkt gegenüber der Kirche vor dem neogotisch verspieltenehemaligen Stadtarchiv (11), in dem heute die Akten des Gerlingkonzerns aufbewahrt werden.

In römischer Zeit befand sich im Bereich der Kirche St. Gereon (12)St. Gereon ein großes Gräberfeld. Die unter Diokletian Ende des 3. Jahrhunderts an den Rhein versetzten christlichen Legionäre aus Ägypten, sollen die Verfolgung von Christen abgelehnt und deshalb vor den Toren Kölns mit dem Schwert hingerichtet worden sein. Ende des 4. Jahrhundert entstand hier ein ovaler Bau mit Apsis und kostbarer Innenausstattung mit Goldmosaiken. Die Kirche „Ad aureos sanctos“ (Zu den goldenen Heiligen) war berühmt und diente mehreren fränkischen Königen, sowie dem Kölner Erzbischof Hildebold als Grablege. Mitte des 11. Jahrhunderts entstand ein Langhaus und Anfang des 13. Jahrhunderts wurde der ovale Bau mit einem Dekagon ummantelt, das von einer gewaltigen Kuppel überspannt wurde. 1985 wurde der Wiederaufbau nach der Kriegszerstörung abgeschlossen. Die strahlend rote Kuppelausmalung und die farbintensiven Glasfenster von Georg Meistermann und Wilhelm Buschultes, schaffen eine ganz eigene Atmosphäre in diesem Gotteshaus.

Über den „Gereonshof” geht es zum Kölner Boulevard „Kaiser-Wilhelm-Ring”. Die Ringe, die dem Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer folgen, waren vor dem Krieg die schönste und prächtigste Kölner Flaniermeile. Die schönen Gründerzeitbauten, die die Straßenränder säumten, fielen den Bomben zum Opfer. Nach dem U-Bahn-Bau in den 80er Jahren wurden die Ringe neugestaltet; der schönste Teil am Kaiser-Wilhelm-Ring, mit Grünflächen und Springbrunnen, läd zum Flanieren und Ausruhen ein. Den Friesenplatz dominiert heute dasRing-Karee (15), das der britische Stararchitekt Norman Foster für den Gerling-Konzern errichtet hat. In den beiden Bauteilen sind in 20 Etagen, auf insgesamt 55 Metern Höhe Wohnungen, Büros und Geschäfte untergebracht.

Vom Friesenplatz aus geht man ein Stück die Venloer Straße hinunter, und gelangt dann rechts zum Stadtgarten, der ältesten, öffentlichen Grünanlage Kölns, die gleichermaßen Szene-Treff, Jazztempel, Biergarten und grüne Oase ist. Im Stadtgartenrestaurant kann man sich wunderbar stärken, abends finden hier fast täglich Jazzkonzerte statt. Am anderen Ende des Parks lohnt sich ein kurzer Besuch in der KircheNeu St. Alban (14), die Ende der 50er Jahre hier aus den Trümmern des alten Opernhauses aufgebaut wurde. Das Vesperbild und die Apostelstatuetten aus der zerstörten Innenstadtkirche Alt St. Alban fanden hier ein neues Zuhause.


Rundwege nach Arens / Bongartz / Henseler, DuMont RTB Köln


St. Maria Himmelfahrt St. Andreas Lysolphturms Römerbrunnen Zeughaus Regierungspräsidium Römerturm Kreishausgalerie Brauhaus Päffgen Gerlingbauten ehemaliges Stadtarchiv St. Gereon Neu St. Alban Ring-Karee

Lageplan