Rundgang: Vom Heumarkt zum Rheinauhafen

Jupiter, Juno und Minerva waren die Götter, welche in Rom auf dem Kapitol verehrt wurden. Und eben diesen Dreien hatten auch die „Kölner Römer“ im ersten nachchristlichen Jahrhundert einen Tempel in ihrer Colonia errichtet. Auf den Ruinen dieses Tempels entstand bereits im 7. Jahrhundert ein Kloster mit Kirche; im 11. Jahrhundert veranlaßte die Äbtissin Ida den Bau der heute noch zu bewundernden Kirche St. Maria im Kapitol (1), mit dem sie – eine Enkelin der byzantinischen Prinzessin Theophanu und des Kaisers Otto II. – ihre kaiserliche Abstammung in angemessener Weise darstellen wollte. So entstand die erste monumentale Dreikonchenanlage Kölns, die in ihren Ausmaßen der Bethlehemer Geburtskirche entspricht. Man tritt in die Kirche, nachdem man die Reste des Kreuzgangs aus dem 13. Jahrhundert durchschritten hat. Bedeutend sind die romanischen Holztüren an der Stirnseite des südlichen Seitenschiffs von 1060, deren Schnitzereien das Leben Jesu darstellen. Ein Renaissance-Lettner von 1517 aus schwarzem Marmor mit weißen Kalkstein-Skulpturen trennt das Langhaus von der Vierung.

Gegenüber des Kreuzganges steht das ehemaligeÄbtissinenhaus (2) aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. 1804 bis 1806 wohnten hier der deutsche Romantiker Friedrich Schlegel und seine Frau Dorothea, die Köln insgesamt kein sehr gutes Zeugnis ausstellten. Heute ist in dem Gebäude ein Jugendwohnheim untergebracht. Das ganze Viertel ist heute Zentrum der Kölner Schwulenszene mit den entsprechenden Kneipen und Läden.

Durch dasDreikönigenpförtchen (3) gelangt man vom Marienplatz zum Lichhof. Das kleine gotische Tor soll 1330 an genau der Stelle errichtet worden sein, wo die Reliquien der Heiligen Drei Könige am 23. Juli 1164 von Rainald von Dassel angeblich in die Stadt gebracht worden sein sollen. Der Lichhof (Leichenhof) erinnert daran, daß hinter der Kirche früher vermutlich ein Friedhof lag. Zum Gedenken an die Kriegstoten wurde hier 1946 die „Trauernde“ von Gerhard Marcks aufgestellt. Seit einigen Jahren erinnert eine Säule von Gitta Benaseni an die Aidsopfer. Eine Treppe führt vom Lichhof hinunter zur „Plectrudengasse”, die auf die StraßeAn der Malzmühle (5) führt. Hier kann man – allerdings nur nach Vereinbarung – im Haus Nr. 1 eine weitere römische Attraktion bewundern: das sogenannteUbiermonument (4), ein Wachturm der Hafeneinfahrt an der Südostecke des Römerlagers, der noch vor der Verleihung des römischen Stadtrechts erbaut wurde und somit der älteste römische Steinbau nördlich der Alpen ist.

Jetzt gilt es nur, die Straße zu überqueren und gleich steht man an der Ecke vor der Tür eines der traditionsreichsten Kölner Brauhäuser: der Malzmühle. Vom 16. bis 19. Jahrhundert stand an dieser Stelle die unter der Aufsicht des Kölner Rates betriebene Malzmühle; so hatte der Rat das Kölner Brauereigeschäft und die entsprechenden Abgaben unter Kontrolle. Mühlen Kölsch wird fast ausschließlich in der Malzmühle ausgeschenkt und gilt als besonders lecker. Ein Durchgang führt vom Malzbüchel zur „Rheingasse”, wo das Overstolzenhaus (6), das Stammhaus der Kölner Kaufmannsfamilie Overstolz, als einziges der imposanten Patrizierhäuser des Mittelalters übrig geblieben ist. Der Treppengiebel und die mit Rundbögen reich gegliederte Fassade machen das Haus zu dem am besten erhaltenen romanischen Bürgerhaus Deutschlands mit einem repräsentativen Festsaal im ersten Obergeschoß. Heute beherbergt dieses Schmuckstück die Kunsthochschule für Medien. In der Parallelstraße zur „Rheinstraße” waren im Mittelalter die Filzmacher zu Hause, wovon noch heute der Straßenname zeugt: Filzengraben. Hier errichtete die protestantische Gemeinde Kölns mit der Unterstützung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. ihr erstes eigenes Gotteshaus in spät-klassizistischem Stil: die Trinitatiskirche (7). Heute finden hier neben dem Gemeindeleben vor allem viele Konzerte und Veranstaltungen statt. Ein wenig weiter Richtung Ufer steht das Haus Filzengraben Nr. 43, das letzte erhalteneLaubenganghaus (8) aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Unter den überkragenden Obergeschossen konnte der Geschäfts- und Handwerksraum in den Straßenbereich ausgedehnt werden.

Parallel zur „Rheinuferstraße” verläuft die kleine Straße „An Lyskirchen”. Ein gewisser Lysolphus hat hier vermutlich im 9. Jahrhundert eine kleine Kapelle zu Ehren der Muttergottes errichten lassen. Im 13. Jahrhundert wurde dann durch wohlhabende Bürger eine kleine, aber dreischiffige Basilika an der gleichen Stelle erbaut, die in Erinnerung an den ersten Stifter den Namen St. Maria in Lyskirchen (9)trägt. Die kleinste der romanischen Kirchen Kölns birgt einen einzigartigen Schatz in ihren Gewölbemalereien aus dem 13. Jahrhundert: Szenen des Alten Testaments in der nördlichen Gewölbehälfte stehen solchen des Neuen Testaments in der südlichen gegenüber. Die Katharinenlegende und Darstellungen aus dem Leben des Heiligen Nikolaus schmücken im Norden und Süden die Gewölbe der Turmgeschosse. Neben dem Eingang erinnert die „Schiffermadonna“ von 1420 daran, daß St. Maria Lyskirchen traditionell die Kirche der Rheinschiffer ist.
In Höhe von St. Maria Lyskirchen befand sich im Rhein eine kleine Insel, das idyllische Werthchen, das die Kölner gerne zur Erholung aufsuchten. Die Industrialisierung im 19. Jahrhunderte brachte jedoch den Ausbau desRheinauhafens (10) mit sich: Die südliche Flusspassage wurde geschlossen und an der nördlichen Einfahrt eine Drehbrücke angebracht. Auf der Insel entstanden bald Zoll- und Verwaltungsgebäude. Bis heute funktioniert die 420 Tonnen schwere Brücke, deren Pumpstation und Motor imMalakoffturm (11) untergebracht sind, einem erhaltenen Turm der ehemaligen preußischen Uferbefestigung, der heute romantisch von Efeu umrankt ist. Als Sinnbild der Hafenarbeit steht neben der Brücke das monumentale Denkmal des „Tauziehers“.

Der Hafen wird heute nur noch von Freizeitkapitänen genutzt und auch auf der Insel ist vor allem wieder Vergnügen und Erholung angesagt, denn ein Besuch im Schokoladenmuseum Imhoff-Stollwerck (12)verspricht beides. Wie ein riesiges Schiff erhebt sich das Museum auf der Insel, der gläserne Bug scheint sich in die Fluten hineinzuschieben. In die moderne Architektur wurde das neogotische Zollamt integriert. Hier wird die Kulturgeschichte der Schokolade präsentiert. Natürlich gibt es auch einen Museumsshop mit vielen Leckereien. Das beliebte Highlight ist der Schokoladenbrunnen, aus dem man flüssige Schokolade naschen kann. Gleich nebenan ist das Deutsches Sport- und Olympiamuseum (13) in der ehemaligen Lagerhalle 10 entstanden. Hier wird ein Querschnitt durch 100 Jahre Sportgeschichte gezeigt. Auf dem Dach des Museums befindet sich übrigens der höchste Sportplatz der Stadt – mit Rheinblick.

Über die Rheinuferstraße kann man nun zurück Richtung Heumarkt bummeln, vorbei an dem metallenen „Euro-Solarvogel“, dessen Flügel mit Sonnenenergie bewegt werden. Eine Fußgängerbrücke führt über die Rheinuferstraße zumHotel Maritim (14), dessen gläserne Halle mit vielen exclusiven Geschäften und diversen Gastronomiebetrieben gleichermaßen zu Shopping und Schlemmen einlädt.


Rundwege nach Arens / Bongartz / Henseler, DuMont RTB Köln


St. Maria im Kapitol Äbtissinenhaus Dreikönigenpförtchen Ubiermonument An der Malzmühle Overstolzenhaus Trinitatiskirche Laubenganghaus St. Maria in Lyskirchen Rheinauhafens Malakoffturm Schokoladenmuseum Imhoff-Stollwerck Deutsches Sport- und Olympiamuseum Hotel Maritim

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