Rundgang: In der Altstadt

Der Rundweg führt durch das traditionelle Kölner Vergnügungsviertel, die Altstadt, zwischen Hohenzollern- und Deutzerbrücke, vom Rheinufer bis zum Rathaus und Gürzenich. Ursprünglich war der alten Römerstadt eine Insel vorgelagert, die durch Versandung und Zuschüttung des alten Rheinarms im 10. Jahrhundert in das Stadtgebiet einbezogen wurde. Hier lag das Handelszentrum der mittelalterlichen Stadt, in dem Kaufleute und Handwerker das Sagen hatten. Die Straßennamen erinnern noch heute an die Waren, die hier umgeschlagen wurden und an die Handwerker, die hier ihre Werkstätten hatten. Nach dem Krieg wurde das in der Neuzeit verelendete Quartier entkernt und saniert. So entstand eine ungewöhnliche Mischung aus Wohnungen, Geschäften, Kultur- und Restaurantbetrieben, ein Viertel von bunter urbaner Vitalität, das sich um die romanische Kirche Groß St. Martin lagert.

Etwas oberhalb der ehemaligen Rheininsel hatten bereits die Römer ihr Praetorium (1) errichtet, den Statthalterplalast, der auch von den Frankenkönigen noch als Residenz genutzt wurde. Bereits 1135 ist dann an dieser Stelle ein »Haus der Bürger«, das erste Rathaus im Deutschen Reich, erbaut worden. Es lag direkt neben dem Judenviertel. Im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte wurde der Bau immer mehr erweitert, so kam Anfang des 15. Jahrhunderts der 61 m hohe Ratsturm hinzu, Mitte des 16. Jahrhunderts Rathauslaube und Löwenhof, beide im Stil der Renaissance. Besonders sehenswert ist das Figurenprogramm an Turm und Laube: Berühmtheiten aus Kirche, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur können hier bewundert werden. Dabei reicht das Spektrum von mittelalterlichen „Stars“ wie Dombaumeister Gerhard oder Kaiserin Theophanu bis zu Konrad Adenauer und Heinrich Böll.

Gegenüber des Ratsturms ist der »Spanische Bau«, zu finden, der nach den Kriegszerstörungen im modernen Stil wieder aufgebaut wurde. Im Keller dieses Gebäudes können die Reste des römischen Praetoriums besichtigt werden. Vier Bauphasen sind hier erkennbar. Ein schönes Modell des Praetoriums hilft dem Laien, sich in den chaotisch erscheinenden Mauerüberresten zurechtzufinden. Vom Vorraum der Ausgrabungsstätte gelangt man in einen 100m langen römischen Abwasserkanal. Auf dem Rathausplatz sind noch Reste der Aula regia, der zum Praetorium gehörenden Königshalle, zu sehen.

Mit farbigen Pflastersteinen sind hier auch die Grundrisse des ehemaligen jüdischen Viertels eingezeichnet. 1424 hatte es ein großes Pogrom in Köln gegeben und zwei Jahre später waren die Juden für Jahrhunderte vertrieben worden. Erst ab 1797 durften sie sich wieder in Köln niederlassen. Erhalten blieben die Reste der Mikwe (1) von ca. 1170, des Kultbades für rituelle Reinigungen. Eine Glaspyramide überdacht die Ausgrabung, über eine Wendeltreppe kann man in den Brunnenschaft hinuntersteigen.

Durch die Portalsgasse kommt man zur Straße „Unter Goldschmied” und steht direkt vor dem modernen Wohn- und BürokomplexAn Farina (2). In seinem Inneren befindet sich das 1899 im Stil des Neobarock errichtete Wohn- und Geschäftshaus des Wunderwass-Herstellers. Im schön begrünten Innenhof zeigt der Frauenbrunnen typisierte Kölnerinnen aus verschiedenen Jahrhunderten.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Hofes ist ein kleinesDenkmal für Jupp Schmitz (2), der hier am Flügel sitzt und eines seiner Karnevalslieder anstimmt. Die Bronzeplastik erinnert an den 1991 verstorbenen Kölner Komponisten und Schlagertexter.
An der Ecke der Straßen Obenmarspforten / Quatermarkt befindet sich derFastnachtsbrunnen (3) von 1912. Eingefaßt wird der kleine Platz vomHaus Neuerburg (3), dem ehemaligen Verwaltungsgebäude des Zigarettenherstellers aus den 20er Jahren. Eine goldene Tabakpflanze schmückt die Fassade und erinnert an die Bedeutung Kölns als Zentrum der deutschen Tabakindustrie im 18. Jahrhundert.

Auf der Straße Obenmarspforten steht man nun direkt vor dem neuen Wallraf-Richartz Museum (4) von Oswald Mathias Ungers. Das kubusförmige Ausstellungsgebäude zeigt auf drei Etagen die Sammlungen zur mittelalterlichen, barocken und Kunst des 19. Jahrhunderts zeigt. Nach Süden hin gliedert sich auf der anderen Seite des Treppenhauses, das dem Verlauf der mittelalterlichen Malerstraße „In der Höhle“ folgt, der Funktionsbau mit Werkstätten und Büros an. In diesem Teil befindet sich auch der zweigeschossige Vortragssaal, Stifterssal, dessen Fenster in die Kirchenruine vonSt. Alban (5) weist. Die Ruine wurde nach dem Krieg als Mahnmal erhalten zum Gedenken der Weltkriegsopfer. Im Innenhof steht die 1955 von Ewald Mataré geschaffene Kopie der Käthe Kollwitz-Skulptur der „Trauernden Eltern“, die man durch ebenerdige das Tor der Ruine gut sehen kann. Zugleich verbindet der Kirchentorso das Museum mit dem Gürzenich (5), dem Festhaus der Kölner Bürger und ehemaligen „Tanzhaus des Rates“. Der Bau enstand zwischen 1441 und 1447 entstand und gilt als einer der bedeutendsten deutschen Profanbauten des 15. Jahrunderts. Der Schmuck aus Zinnenkranz und Eckwarten erinnert an die gotischen Patrizierhäuser. Im 16. Jahrhundert verlor das Gebäude seine Bedeutung und wurde als zentrales Kauf- und Warenhaus genutzt. Erst im 19. Jahrhundert wurden hier wieder prunkvolle Bälle und Feste veranstaltet. Beim Wiederaufbau nach dem Krieg wurde „Kölns gute Stube“ im Stil der 50er Jahre modernisiert und Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts einer neuerlichen Totalsanierung unterzogen.

Nur wenige Schritte weiter befindet sich der neu gestaltete Heumarkt, der zentrale Platz des mittelalterlichen Kölns, zur nördlichen Seite durch die Bebauung zum Alter Markt abgegrenzt, auf der südlichen Seite durch die Deutzer Brücke und das Maritim Hotel. Hier neben der Brückenrampe steht dasReiterdenkmal (6) des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. von 1876, zu dessen Füssen sich bedeutende Männer aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur versammelt haben. Ein wenig spätmittelalterlichen Geist vermitteln noch die Fassaden des Eckhauses Nr. 77Zum Sankt Peter (7) aus dem Jahr 1568 sowie das urkölscheBraugasthaus Päffgen (8) am Beginn der Salzgasse.

Wenn man den Neumarkt überquert, gelangt man durch die Faßbindergasse auf den Eisenmarkt seit 1938, die Adresse des weltberühmtenHänneschen-Theaters (9) mit seinen beliebten Stockpuppen, Kasper, Bärbelchen und Speimanes. Auf dem Platz „sitzt“ auf einer Bank eine Skulptur des beliebten Kölner Schauspielers Willy Millowitsch. Sein Urgroßvater hatte auch mit Stockpuppen begonnen, doch um 1800 gründete Wilhelm Joseph Millowitsch dann seine Volksbühne (heute Aachener Straße) mit „echten“ Schauspielern. Auf der Nordseite des Eisenmarktes führt ein Durchgang zurück zur Salzgasse, in der früher mit Salz und Gewürzen gehandelt wurde.

Wendet man sich nach links und gleich wieder rechts, gelangt man zumOstermannplatz (10), der dem unvergessenen Kölner Volkssänger Willi Ostermann gewidmet ist. Den Ostermannbrunnen ziehren einige der beliebtesten Figuren aus seinen Kölschen Liedern. Ein paar Schritte weiter, in der Straße „Unter Käster” zwischen Heumarkt und Alter Markt kann man imKarnvalsorden-Museum (11)einer weiteren Kölner Tradtition nachforschen.

DerAlter Markt (10-11) bietet alljährlich eine stimmungsvolle Kulisse für Weihnachts-, Trödelmärkte und alle möglichen Veranstaltungen. Im Sommer kann man hier vor allem in Ruhe ein Kölsch in der Sonne genießen. Kölner und Touristen freuen sich gleichermaßen über die vielseitige Open-Air-Gastronomie. Historisch ist hier eigentlich nur noch ein Gebäude, nämlich dasDoppelhausZur Brezelund Zum Dorn (11) mit zwei schönen Volutengiebeln, in dem die Privatbrauerei Gaffel heute ihr Kölsch ausschenkt. In der Platzmitte erinnert derJan-von-Werth-Brunnen (11) an den Reiter-General, dessen Geschichte mit der Kölschen Maid Griet jedes Jahr an Weiberfastnacht vor dem Severinstor nachgespielt wird. Vom Rathausturm am nördlichen Ende des Platzes blickt eine bärtige Holzmaske herab, der Platzjabbek (Jappen = den Mund aufsperren, bec = Schnabel, Mund) streckt den Bürgern, Touristen und allen, die sich angesprochen fühlen, zu jeder vollen Stunde die Zunge heraus. Am Haus Nr. 24 Em Hanen kann man in luftiger Höhe eine der beliebtesten Kölschen Figuren sehen, den Kellendresser, der unter der Regenrinne (Kalle) sein Hinterteil entblößt und eindeutig kundtut, was er von dem Treiben unten hält.

Durch das Martinspförtchen kommt man auf die rückwärtige Seite des Hauses und in die Brigittengasse. Hier trifft man auf die beiden Kölner Urtypen Tünnes und Schäl: der lange Schäl (von schielen) als durchtriebener Stadtkölner und im Kittel der etwas beschränkte vom Land kommende Tünnes (Anton). Nur wenige Meter weiter steht dieSchmitzsäule (10-11) und erklärt den Ursprung der Kölschen „Dynastie“ der Schmitze (einem weit verbreiteten Kölschen Familiennamen), die vor 2000 Jahren entstand, als blonde Ubiermädchen auf glutäugige Römer trafen.

Gleich ums Eck steht man vor der beeindruckenden romanischen Kirche Groß St. Martin (12). Schon um 950 hatte Erzbischof Bruno hier auf römischen Fundamenten ein Stift gegründet. Vermutlich war es ein Brand, der 1150 Anlaß zum gewaltigen Neubau einer Kirche zu Ehren des Heiligen Martin gab. Der Kleeblattchor mit dem gewaltigen Vierungsturm bestimmt seit Jahrhunderten das Rheinpanorama der Stadt; im Vergleich dazu fiel das Langhaus eher bescheiden aus und das Kircheninnere besticht heute durch seine Höhe und Schlichtheit. Römische Reste und die Fundamente des Vorgängerbaus können in der Krypta noch besichtigt werden.

Die Mühlengasse auf der nördlichen Seite der Kirche erinnert an die großen Mühlenschiffe, die im Rhein lagen und die Wasserkraft für ihre Mahlwerke nutzen. Hier in der Mühlengasse steht, wunderbar saniert, das klassizistischeBrügelmannhaus (13), eine ehemalige Spinnerei und Textilfabrik, in der heute Peters Brauhaus Kölsch ausschenkt und Kölsche Spezialitäten zum leiblichen Wohl anbietet. Durch die Mauthgasse nach Süden kommt man zumFischmarkt (14) und demStapelhaus (14), einer der letzten mittelalterlichen Lager- und Kaufhallen, die am Rhein errichtet wurden. Das die Wassertiefe des Flusses oberhalb Kölns abnimmt, mußten die Güter der stromaufwärts fahrenden Schiffe hier umgeladen werden. Von 1259 bis 1831 galt das Stapelrecht, welches besagte, daß alle Waren drei Tage lang in der Stadt Köln zu lagern – oder stapeln – waren und daß die Kölner Kaufleute Vorkaufsrecht hatten. Die Güter wurden geprüft, gewogen, umgepackt und mit einem Qualitätssiegel versehen. Vor allem dem Stapelrecht verdankt die Stadt Köln ihren Aufschwung zu einer der bedeutendsten Städte im mittelalterlichen Reich.

Ecke Lintgasse / Buttermarkt steht dasKaufmannshaus Delft (10-11), dessen bunt bemalter Kranbalken am Stufengiebel besonders schön gelungen ist. Gleich gegenüber ist dasRote-Funken-Plätzchen (10-11).Die Roten Funken sind ein traditionsreicher Karnevalsverein. Eine Bronzetafel erinnert an die Tugenden und Pflichten eines Roten Funken, der vor allem das Trinken, Flirten und Bützen (Küssen) beherrschen muß. Ecke Buttermarkt / Salzgasse befindet sich das Haxenhaus, wo man bei einer „Luoderei“ (gutes reichliches Essen) eine Zeitreise ins Mittelalter machen kann. Am Ende des Buttermarktes trifft man auf die Markmannsgasse, die durch den Rheingarten hinunter zum Ufer führt. Hier hatte im 17. Jahrhundert die „Fliegende Brücke“ (Fähre an Seilen) ihren Steg und hier lag auch die Zollstation.

Direkt neben der Deutzer Brücke befindet sich hier auch derKölner Pegel (15), der den aktuellen Wasserstand anzeigt. Ab 9,40 Meter wird es kritisch für die Altstadt, ab 10 Meter wird es naß... An vielen Häusern und in den Kneipen und Restaurants kann man sich bei Hochwassermarken und Fotos einen Eindruck davon verschaffen, daß „Vater Rhein“ oft genug recht ungnädig mit seinen Anliegern umgeht.
Über die Promenade, direkt zwischen Ufer und Rheingarten, von der Deutzer- zur Hohenzollernbrücke kann man zurück zum Dom bummeln. Oder bei gutem Wetter eine Rast auf der Wiese einlegen, vielleicht auch einkehren und sich die Kölschen Spezialitäten schmecken lassen.


Rundwege nach Arens / Bongartz / Henseler, DuMont RTB Köln



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