Rundgang: Rund um den Dom

Bereits Anfang des letzten Jahrhunderts (1907 - 1911) entstand dieHohenzollernbrücke (1), die Kölnbesuchern, welche per Bahn anreisen, die Stadt von ihrer schönsten Seite präsentiert. Bei der Überquerung des Rheins fährt man direkt auf den Kölner Dom zu. Kaiser Wilhelm IV. hatte die Stelle für die neue dreibogige Brücke ausgesucht, welche die alte Dombrücke ersetzten sollte, die aufgrund zu geringer Belastbarkeit untauglich geworden war.

Langsam über die Brücke und am Dom vorbei, fahren die Züge dann an eleganten Vorhallen vorbei in die denkmalgeschütze Perronhalle des Kölner Hauptbahnhofes (2), die 1892-1894 für 24 Mio. Goldmark errichtet wurde und sich auch heute noch als wahrhaft prächtiger Gründerzeitbau präsentiert. Die verglaste Eingangshalle der Nachkriegszeit gibt den Blick frei auf das Wahrzeichen Kölns, den Dom (3). Im Bahnhof selber entstand erst kürzlich ein moderner „Bauch“, der den Fahgästen und Besuchern in einer Mischung aus Erlebnisgastronomie und Shoppingcenter die Wartezeiten verkürzen hilft.

Über eine Freitreppe gelangt man hinauf zum Domhügel, auf die Domplatte, und steht unmittelbar vor der Hohen Domkirche St. Peter und Maria, wie die Kathedrale mit vollem Namen heißt. 2 bis 3 Mio. Besucher zieht der Dom jährlich in die Stadt und so verwundert es nicht, daß er als das bekannteste Sakralbauwerk Deutschlands gilt. 1248 begonnen und 623 Jahre später vollendet – bis zuletzt im Stil reinster Hochgotik – wurde die Kirche 1996 endlich in das Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen. Die Türme sind 157 m hoch und insgesamt hat der Dom mehr Fenster- (ca. 10.000 qm) als Bodenfläche (7.914 qm). Ein kompliziertes Strebewerk mit filigraner Formenvielfalt leitet den Druck der Gewölbe ab. Wer den Dom besteigen möchte (Eingang rechts neben dem Hauptportal), muß 509 Stufen im Südturm bewältigen und wird mit einem grandiosen Weitblick belohnt, der bei schönem Wetter bis zum Siebengebirge reicht. Ein Besuch der Schatzkammer lohnt sich vor allem für Freunde mittelalterlicher Kunst. Der größte Schatz des Doms ist jedoch der Dreikönigenschrein, der im Chor zu bewundern ist - allerdings nur aus der Ferne des Chorumgangs.

Gegenüber des Doms befindet sich dasDeichmannhaus (4), Anfang des letzten Jahrhunderts erbaut. Hier ist die Gaststätte „Alt Köln” zu Hause, und das gotisierende Glockenspiel mit Figurenumlauf lockt nicht nur Kölner sonder nauch viele Touristen in die traditionelle Kneipe. Auf dem Domplatz steht die Fußgängerpforte des alten römischen Nordtores (5). Dessen Fundamente, sowie die der anschließenden Stadtmauer mit dem Annostollen, kann man heute noch in der Tiefgarage am Dom bewundern. Direkt vor der Westfassade steht die 9,50 m hohe Kreuzblume, die im Modell 1:1 gut die wirklichen Größenverhältnisse der Turmspitzen wiedergibt.

Gleich gegenüber befindet sich dasCafé Reichard (6), eines der nobelsten Cafés in Köln, nicht zuletzt weil es den schönsten Blick auf die Westfassade des Doms gewährt. Die neugotische Fassade des Baus ist noch von dem gründerzeitlichen Originalbau erhalten, im Innern wurde alles umgebaut und modernisiert.

Ganz im Stil der 50er Jahre präsentiert sich dagegen das erste WDR-Funkhaus (7) gleich daneben: kubisch, glatt und mit klarer Linienführung repräsentiert es den Stil des Neuen Bauens der Nachkriegszeit. Besonders eindrucksvoll hat die Architektur der 50er Jahre sich im Treppenhaus und im großen Sendessal erhalten. Vor nicht allzu langer Zeit, wurde das ehemalige Casino aufgelöst und Gigi Campi zog ins Erdgeschoß ein, wo er nun eines der best gelegenen Restaurants der Stadt direkt am Wallrafplatz führt. Den Namen bekam der Platz von Ferdinand Franz Wallraf, dem besessenen Kunstsammler, der hier in der alten Dompropstei lebte und eine Unzahl Kunstwerke um sich versammelte. Diese Sammlung bildete den Grunsstock für das heutige Wallraf-Richartz-Museum.

Ecke Wallrafplatz/Am Hof steht dasStollwerck-Haus (8) mit seiner postmodernen rekonstruierten Fassade. Der Konditor Franz Stollwerck hatte seinerzeit den Grundstein für das Schokoladen-Imperium gelegt. Sein Nachfolger, der Schokoladenkönig und Museumsbesitzer Hans Imhoff sorgte auch für die teure Renovierung des Hauses, in dem eine der letzten Ladenpassagen erhalten ist, die um die Jahrhundertwende von der Hohe Strasse abzweigten.

Folgt man der Stollwerck-Passage gelangt man direkt zum traditionsreichen BrauhausFrüh am Dom (9), das Peter Josef Früh bereits 1904 an dieser Stelle gründete. Schon ab 8.00 Uhr morgens können Einheimische und Touristen hier ihr Kölsch bestellen, ein obergäriges helles Bier, das am besten zu den typisch kölschen Spezialitäten schmeckt, wie „Halve Hahn” (Roggenbrötchen mit altem Holländer Käse) oder „Himmel un Äd” (Kartoffelbrei mit gebratenen Äpfeln, Zwiebeln und gebratener Blutwurst). Zum Früh gehört auch das benachbarte „Haus zur Glocke”, eines der wenigen barocken Häuser der Stadt.

Direkt vor dem Haus befindet sich derHeinzelmännchen-Brunnen (9), eines der schönsten Denkmäler der Stadt. Der Brunnen erzählt die Ballade von August Kopisch, in der die neugierige Schneidersfrau Erbsen auf die Treppe streut und damit die Heinzelmännchen, die guten Geister, die alle Arbeit machten, endgültig aus Köln vertrieb.

Gleich um die Ecke ist das – vor allem in der Abenddämmerung – besonders schöneBlau-Gold-Haus (10), das der Parfumhersteller Mühlens 1952 errichten ließ und dessen Fassade in den Hausfarben des 4711-Duftwassers erstrahlt. Nebenan der spätwilhelminische Prachtbau desDomhotels (11), indem bereits viele illustre Persönlichkeiten ihr müdes Haupt betteten. Das Restaurant im Wintergarten zwischen antik wirkenden Säulen und quasi direkt auf der Domplatte lädt in jedem Fall zu einem Snack oder Abenddinner ein. Hier hat man den schönsten Blick auf den Dom und seine Südfassade. Der Platz zwischen Dom, Domhotel und Römisch-Germanischem Museum ist benannt nach dem bürgerlichen Namen des Papstes Johannes XXIII: Roncalliplatz. Das Straßenpflaster zeichnet den Grundriß einiger römische Häuser nach. Im Mittelalter befand sich hier der erzbischöfliche Palast und die Kaiserpfalz. Heute ist der Platz vor allem ein Paradies für Scateboard-Fahrer, Inlineskater und Kleinkünstler. Außerdem hält hier regelmäßig der Schokoexpress, der Besucher und begeisterte Kinder vom Dom quer durch die Altstadt zum Schokoladenmuseum fährt.

Gegenüber des Doms, auf der anderen Seite des Roncalliplatzes befindet sich dasDiözesanmuseum (12), dessen Sammlung sakraler Kunst, – vor allem aus Mittelalter und Neuzeit, – bald in einen Neubau bei St. Kolumba umziehen wird. Vor dem Museum führen rheinwärts einige Stufen abwärts und dann über das Pflaster der rekonstruierten römischen Hafenstraße aus dem 1. Jahrhundert, die aus großen Basaltquadern zusammengefügt wurde und durch das Rheintor direkt zum Hafen führte. Gleich daneben befindet sich ein Stück des alten römischen Abwasserkanals. Wirft man vom Roncalliplatz aus einen Blick durch das Panoramafenster ins Römisch-Germanisches Museum (13), so sieht man gleich die beiden größten und vielleicht beeindruckendsten Ausstellungsstücke: das 75 qm große Diaonysos-Mosaik aus der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts und das Poblicius-Grabmal. Im Museum kann man insbesondere dem Alltag der antiken Kultur nachspüren. Zwischen Museum und Domchor liegt die Dombauhütte, wo Teile der Fassade restauriert und gepflegt wird.

Nur wenige Schritte weiter befindet sich das Museum Ludwig (14) mit den Werken moderner Kunst von Peter und Irene Ludwig, darunter insbesondere eine umfangreiche Picasso-Sammlung und viele Pop Art-Künstler. Der Museumskomplex wurde in den 80er Jahren von den Architekten Busmann und Haberer errichtet und ist geschickt in hintereinander gestaffelte Gebäude aufgelöst. Zum Gesamtkomplex gehört auch die Philharmonie. Eingebettet unter dem Museum in den Rheinhügel bietet der Museumtempel knapp 2000 Besuchern Platz. Das Dach der Philharmonie bildet der Heinrich-Böll-Platz, den der Künstler israelische Dani Karavan gestaltete: Zum Rhein hinunter führt eine breite Freitreppe hinunter zu einer Brunnenskulptur von Eduardo Paolozzi und in den Rheingarten (15). Hier können Kölner und Touristen am Flußufer – über dem Rheinufertunnel, in den der Autoverkehr „versenkt“ wurde – in Ruhe flanieren und das Panorama genießen.


Rundwege nach Arens / Bongartz / Henseler, DuMont RTB Köln



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